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Silberdosen, Feuerzeuge, Vesta-Cases und emailliertes

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Silberstempel & Geschichte zu Louis Kuppenheim und Pforzheimer Bijouterie


Stempel Louis Kuppenheim von 1884 bis 1939:


·        1884 bis ca. 1900: „L“ und „K“ in einzelner eckigen Umrandung , Halbmond (Reichs)-Krone und zum Teil Feingehalt ebenfalls                 eckiger Umrandung. Siehe Fotos A.

·        1900 bis ca. 1910. „LK“ mit Umrandung (Umrandung zum Teil Unförmig), Halbmond Krone und zum Teil Feingehalt ebenfalls                 eckiger Umrandung.  Siehe Fotos B.

·        1910 bis ca. 1912 „LK“ ohne Umrandung, Halbmond Krone und zum Teil Feingehalt ebenfalls eckiger Umrandung. Siehe Fotos C.

·        1912 bis ca. 1924. „LK“ rechteckiger Umrandung / zum Teil mit gekreuztem Hintergrund. Halbmond Krone eckiger Umrandung.               Typisch: Krone zum Teil oberhalb gepunktet (linke Seite 4 Punkte, rechte Seite 3 Punkte). Punkte über halb der Krone ist ein weiterer   indiz für LK.  Siehe Fotos D.

·        1924 bis ca. 1930. Modelle zum Teil typisch Art Deco. Vieler dieser Stücke wurden exportiert u.a. nach England, USA,                                     Südamerika, Schweden und Rußland.  Haben daher auch zusätzlich noch Importstempel der jeweiligen Länder (935, Sterling,  Englische Importmarken etc.). Typischer „LK“ Stempel: Zusätzlich Runder Kreis  um der  Krone in eckiger Umrandung.  Siehe Fotos E.

·        Ab 1930 bis 1939. Stempel jetzt oft ohne Halbmond Krone. Stempel sind auch nur noch „leicht“ eingeschlagen. Viele Silberstücke             ohne Email. Siehe Fotos F.

·        Um 1900 eröffnete Louis Kuppenheim eine Filiale in Paris. Hier wurde wohl nur verkauft (Großhandel) und nicht produziert. Die Stücke wurden in         Pforzheim nach Paris gebracht und verkauft. Diese Stücke haben einen neuen Stempel: L (Gockel) K.

Siehe Foto G.

       

·        Einige Stücke sind nicht mit „LK“ gemarkt. Es gibt aber einige Hinweise wie: Punkte über Krone,  Runder Kreis um Krone in eckiger        Umrandung, typische „LK“ Ausführung, Qualität, Farbe des Emails etc. welche auf die Arbeiten von "LK" hindeuten. Siehe Fotos H.

 

                                          

                   Text in English below Hallmarks.


Erste Silberstempel Louis Kuppheim 1884-1900, First silver hallmarks Louis Kuppenheim 1884-1900.

Made between 1884 to 1900

 

Fotos A

 

Erste Silberstempel Louis Kuppheim 1884-1900, First silver hallmarks Louis Kuppenheim 1884-1900


Erste Silberstempel Louis Kuppheim 1884-1900, First silver hallmarks Louis Kuppenheim 1884-1900

Etui wurde durch J.H. Werner Berlin vertrieben. Case was retailed by J.H. Werner Berlin.

                                                                                                                                                                                      

Silber Stempel Louis Kuppenheim 1901 - 1910,  silver hallmark Louis Kuppenheim 1884-1900

Made between 1901 to 1910. This piece is engraved 1903. Small silver pill box.

 

Fotos B

 

Silber Stempel Louis Kuppenheim 1901 - 1910,  silver hallmark Louis Kuppenheim 1884-1900

This piece is engraved 1906. William Frederick.

Silber Stempel Louis Kuppenheim 1901 - 1910,  silver hallmark Louis Kuppenheim 1884-1900

This pieces is engraved 1904


Silber Stempel Louis Kuppenheim 1901 - 1910,  silver hallmark Louis Kuppenheim 1884-1900


Silberstempel Louis Kuppenheim ca. 1910-12, Silverhallmark Louis Kuppenheim ca. 1910-12.

Made between 1910 to 1912

 

Fotos C

 

Silberstempel Louis Kuppenheim ca. 1910-12, Silverhallmark Louis Kuppenheim ca. 1910-12

Halbmond Krone immer noch eckiger Umrandung. Halfmoon crown still square border.


Silberstempel Louis Kuppenheim ca. 1910-12, Silverhallmark Louis Kuppenheim ca. 1910-12


Silberstempel ca. 1912 - 1924. Silver hallmarks from ca. 1912-1924. Louis Kuppenheim.

Made between 1912 to 1924

 


 

 

Fotos D / gekreuzter Hintergrund / Crossed Background

 


Silberstempel ca. 1912 - 1924. Silver hallmarks from ca. 1912-1924. Louis Kuppenheim.

Made between 1912 to 1924. 7 Dots over the Crown are typical L.K.

 

Fotos D

 

Silberstempel ca. 1912 - 1924. Silver hallmarks from ca. 1912-1924. Louis Kuppenheim.


Silberstempel ca. 1912 - 1924. Silver hallmarks from ca. 1912-1924. Louis Kuppenheim.


Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.

Hergestellt um 1924 bis 1930. LK und Legierung nun Oval. Made between 1924 to 1930. LK and Silvercontent now oval.

 

Fotos E

 

Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.

Krone mit Kreis umrandet. Typisch L.K. Circle around the Crown also is typical for L.K.


Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.


Stempel LK 1930-1939. Silvermark 1930-1939.

Hergestellt um 1930 bis 1939. Nach 1930 leichte Änderungen. Made between 1930 to 1939. After 1930 small differences.

 

Foto F

 

Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.

 


 

Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.


Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.

Stempel vom Feuerzeug /ähnlich wie Tallboy. Hallmark from the lighter which looks similar to Tallboy.

 

Foto F

 

Silberstempel um 1924 bis 1930. Silver mark between 1924 to 1930.

Stempel auf Feuerzeug ähnlich wie Unique. Mark for after 1930. On a lift arm cigarette lighter.



Stempel auf Stücke die in Paris verkauft wurden. Pieces which where sold from around 1900 in Paris. LK. Louis Kuppenheim

Stempel ab ca. 1900. Für Stücke die in Paris vertrieben wurden. Marks made from 1900 to end. Sold in Paris.

 

Foto G

 

Andere Stempel wohl von Louis Kuppenheim, different marks from kuppenheim

Made by Kuppenheim for other retailers

 

Fotos H 

 

Andere Stempel Kuppenheim, different marks Kuppenheim

Made by Kuppenhein for other retailers. Notice the "Dots over Crown".






Die Stadt Pforzheim und die Bijouterie:


 

Firmengeschichte - Louis Kuppenheim 


-1854: Lehmann sen. (Louis Kuppenheim, 1824 - 1889) gründete gemeinsam mit Heinrich Witzemann eine Manufaktur. Standort des Unternehmens ist der Marktplatz Pforzheim.

-1857: Kuppenheim gründete die Firma Louis Kuppenheim, soweit bekannt ohne seinen bisherigen Teilhaber.

- Es folgte ein Umzug in die Altstädter Straße in Pforzheim.

-1872: Firmenneubau in der Durlacher Straße 1, Pforzheim.

-1889: Louis Kuppenheim sen. verstarb. 3 seiner 6 Kinder (Albert, Hugo und Moritz) leiten künftig das Unternehmen gemeinschaftlich.

- 1900: Auf der Weltausstellung in Paris gewann Kuppenheim eine Goldmedaille für einen Brieföffner. Im gleichen Jahr eröffnete das Unternehmen die erste Filiale in der Rue de Richelieu 67 in Paris.

- In den Jahren um 1900 entwarf Hans Christiansen einige Silberteile und Schmückstücke, die von der Manufaktur Kuppenheim angefertigt wurden. Christiansen war ein bedeutender Maler des Jugendstils und Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie.

1906: Albert, Hugo und Moritz wandeln die überkommene Bijouteriefabrik in eine moderne Gold- und Silberwarenfabrikation um.

1907: Umzug in die neu errichteten Firmengebäude in der Durlacher Straße 69.

1911: Umzug der Pariser Filiale in die Rue de Petits-Champs 77 und später in die Rue Volney.

1920: Alberts Sohn Ludwig Kuppenheim tritt in das Unternehmen ein.

1924: Albert Kuppenheim scheidet aus dem Unternehmen aus und gründet das Unternehmen "mechanische Werkstätten, Gold- u. Silberwarenfabrik, Maschinenbau, Draht und Metallverarbeitungsautomaten". Aus dieser Firma geht später eine Schmuckwarenfabrik in Pforzheim-Brötzingen, Kirchenstraße 45 hervor.

1925: Tod von Albert Kuppenheim. Ludwig übernimmt das Unternehmen in Brötzingen.

1928: Ludwig eröffnet in Paris eine Import- und Exportfirma für Schmuck, Uhren und Teile. In Erinnerung an den Vornamen des Großvaters trägt die Firma den Namen Louis Kuppenheim.

1933: Expansion mit Gründung einer kleineren Firma in der Wilferdinger Straße 20.

1936: Veräußerung der Fabrik in der Durlacher Straße 69 an einen Gebrauchtwaren- und Autohändler. Hauptsitz der Firma sind nun die kleineren Gebäude in der Wilferdinger Straße 20.

1938: Letzter gemeldeter Wohnsitz von Hugo Kuppenheim ist die Wilferdinger Straße 20.

1939: Die Liquidation beendet die 82jährige Firmengeschichte des Unternehmens.

Während der Glanzzeit des Unternehmens waren mindestens 200 Personen bei Louis Kuppenheim angestellt; die Silberwarenfabrik war somit einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Schmuckstadt Pforzheim. Anfangs agierte das Unternehmen als GmbH, wurde dann in eine AG umgewandelt und später wieder als GmbH geführt. Neben Emaille-Meistern beschäftigte der Betrieb Gold- und Silberschmiede, Graveure und Ziseleure.

In den über achtzig Jahren der Produktion verließen einige 100.000 Stücke das Unternehmen. Kuppenheim fertigte viele Teile in Kleinserien, beispielsweise wurden Dosen, Minaudieren und Etuis in verschiedenen Größen und Formen angefertigt. Viele hundert verschiedene Designs und eine einzigartige Formvielfalt zeugen vom Schöpfungsreichtum der Designer.

Die Silberwaren wurden meist maschinell zugeschnitten, graviert und von Hand zusammen gelötet. Ein aufwendig gearbeitetes Etui besteht aus bis zu zwanzig Einzelteilen. Viele Stücke wurden der damaligen Mode entsprechend mit Emaillearbeiten verziert. Die Kuppenheimer Emaillewaren erlangten wegen der hohen Qualität der Ausführung weltweiten Ruhm. Sie wurden nach England, Frankreich, in die USA und bis nach Südamerika exportiert.

Zusätzlich fertigte Kuppenheim Rohwaren für verschiedene Silbermanufakturen. Vermutlich emaillierte Kuppenheim auch für Fremdkunden. Dies ist nicht eindeutig belegt, aber zahlreiche Stücke anderer Hersteller weisen das selbe Emaille und dieselben Gravuren und Muster auf wie jene Teile, die in der Silbermanufaktur Kuppenheim veredelt wurden. Da diese Fremdbetriebe ebenfalls aus Pforzheim kommen liegt der Schluss nahe, dass die Firma Kuppenheim Emaille-Auftragsarbeiten ausführte.

Emaillieren ist ein aufwendiger Prozess, bei dem die einzelnen Emailleschichten in verschiedenen Phasen aufgetragen werden. Jede Emaillefarbe besitzt einen anderen Schmelzpunkt und muss deshalb einzeln nacheinander eingebrannt werden. Je mehr Farben ein emaillierter Gegenstand hat, desto mehr einzelne Arbeitsgänge sind nötig. Einige Stücke sind zudem von Hand bemalt die sogenannte Emailmalerei. Ein Teil der Preziosen wurde mit einem Künstlermonogramm versehen, da die aufwendige Technik nur von erfahrenen Meistern ausgeführt werden konnte. 


Hier ein  Auszug über die Emailmalerei aus „Lehrbuch der Emailliertkunst“ von A. Bitterling (1927):


„Die Email-Malerei ist eine der schönsten und idealsten Künste, sie wird aber ihrer Schwierigkeit wegen nur von wenigen gepflegt. Wenn schon im Vorhergehenden besondere Geschicklichkeit vorausgesetzt wird, so sind bei der Email-Malerei die Anforderungen, die in bezug auf Geschicklichkeit, technische Fertigkeit und Kunstsinn gestellt werden müssen, noch weit größer. Vor allem muß der Neuling gutes zeichnerisches bzw. malerisches Talent besitzen, Farbensinn und Phantasie bekunden. Das zu verwendene Grundemail ist meist weiß, weil es den verschiedenen Anforderungen am besten entspricht. Man wähle für die Malerei stets ein härteres Email mit höherem Schmelzpunkt als das Grundemail, da sonst die aufgelegten Emailfarben sehr leicht verblassen oder versinken. Das Email musste auch für den eigentlichen Zweck erst vorbereitet werden, d.h. verrieben werden. Die Farben müssen nun unter Anwendung von etwas Dicköl fein gerieben werden. Vor dem Malen werden dann noch Lavendelöl und Nelkenöl nach eigener Erfahrung zusammengemischt, zugesetzt und dann noch etwas nachgerieben. Da alle diese Öle sehr schwer verdunsten, fügt man noch etwas Terpentinöl hinzu, damit ein schnelleres Trocknen erreicht wird. Damit die Farben beim Brennen nicht reißen und aufsteigen, trägt man sie nicht so dick und stark auf und brennt sie nur in schwacher Muffelhitze. Ist eine gemalte Platte fertig zum Brennen, so führe man dieselbe recht vorsichtig in die Muffel ein, und zwar so daß die Tonplatte mit der Malerei so lange hinein und herausgeführt wird bis das Öl vollständig verdampft ist, dies muß durch langsames Erwärmen geschehen. Geschieht das Brennen vor dem Abdampfen der Öle, so steigt die Farbe auf und bildet Unebenheiten, die nicht wieder verschwinden. Auch das endgültige Aufbrennen darf nicht unter zu großer Hitze erfolgen.

  Sobald nun eine Malerei fertig und gut gebrannt ist, überzieht man dieselbe mit Fondant (Fondant = Fondant ist eine transparente und farblose Emailmasse/Schutzschicht). Dieser Überzug dient zum Schutz der Malerei selbst. Ohne Fondant würde das gemalte Bild sehr schnell beschädigt und unansehnlich werden und dadurch an Wert verlieren. Um einen fehlerfreien Fondantüberzug zu erhalten, siebe man den Fondant dünn auf, blase mit dem Zerstäuber Tragantwasser auf, trockne mit dem Leinentuch recht vorsichtig ab und lasse nun den Fondant nur leicht aufs Korn fließen. Dann macht man einen zweiten, ebenso dünnen Auftrag den man wieder nur aufs Korn fließen läßt. Einen dritten Auftrag läßt man dann in längerer Muffelhitze glanzfließen. Nun feilt man die Fondatdecke mit der Schmirgelfeile schön glatt, schleift mit dem Sandstein nach, damit die groben Schmirgelfeilstriche geglättet werden und man beim letzten Glanzbrennen leichter einen glatten Spiegel bekommt. Ist jedoch die Fläche des Fondants nicht sehr glatt geflossen, so überschleife man die ganze Fläche auf der Holzscheibe mit Wassertripel und poliere die Arbeit auf der Lederscheibe auf Hochglanz.“

Da bei vielen Arbeiten in der Silbermanufaktur giftige Dämpfe frei werden, musste Kuppenheim beim Neubau der Fabrikhallen etliche Auflagen erfüllen. Die Schmelz- und Glühöfen, Säure- und Farbküchen mussten in gut belüftbaren Räumen untergebracht werden, in denen keine Arbeiter mit anderen Tätigkeiten beschäftigt werden durften. In diesen Räumen war außerdem eine ausreichende Menge Trinkwasser-Zapfstellen anzubringen.

Auszug aus einem Brief aus dem Jahr 1919 an das Bezirksamt Pforzheim (zur Krise nach WW1):

"Wir beabsichtigen auf unseren Fabrikbau in der Durlacher Str. 69 einen Stock aufzubauen, sobald die allgemeinen Verhältnisse wieder besser sind. Die Pläne zu diesem Projekt liegen in doppelter Ausfertigung vor. Die neuzubauenden Räume sollen ebenfalls mit Zentralheizung versehen werden. Waschbecken und Waschräume sind in reichlichem Ausmaß im Dachstock vorgesehen. Aborte nach Geschlechtern getrennt sind ebenfalls in genügender Anzahl vorhanden und projektiert. .......Wir ersuchen höflich um Erteilung der Baugenehmigung, damit wir beim Eintritt besserer Zeiten das genehmigte Projekt in der Hand haben und bei Bedarf anfangen können."

Zu der geplanten Aufstockung der Fabrikgebäude kam es jedoch nie.

Leider gibt es auch kaum Informationen über die Geschäfte in Paris. Nach der Auszeichnung Kuppenheims auf der Weltausstellung im Jahr 1900 eröffnete er das erste Geschäft in der französischen Hauptstadt. Die Stücke, die in Deutschland gefertigt und in Paris (Großhandel) verkauft wurden weisen einen anderen Stempel auf: L - Gockelsymbol - K und lassen sich anhand dieser Prägung zweifelsfrei identifizieren.

Goldene Preziosen, die in Frankreich veräußert wurden, mussten aus 18 ct. Gold gefertigt werden. Der vorgeschriebene Stempel für diese Stücke zeigt einen Adlerkopf für den Feingehalt des Goldes sowie die Goldschmiedinitialien im Trapez. Da Kuppenheim nur 14 ct. Gold verarbeitete, weisen die in Paris veräußerten Stücke keinen der beiden Stempel auf, diese Stücke wurden vermutlich in Pforzheim für Paris angefertigt. Es ist auch möglich, dass Kuppenheim im Auftrag Stücke für Pariser Goldschmiede fertigte. Dies ist umso wahrscheinlicher, da sich die bekannten Geschäftsstandorte von Kuppenheim unweit vom Place de Vendôme befanden, wo berühmte Pariser Luxushersteller wie Cartier oder Boucheron ihren Firmensitz hatten.

Hauptsächlich angefertigte Preziosen:

- Zigarettenetuis
- Feuerzeuge
- Streichholzdosen
- Dosen und Behälter u. a. für Briefmarken
- Drehbleistifte
- Toilettengarnituren mit Handspiegel
- Glas- und Emailledosen
- Abendtaschen, Taschen, Börsen
- Bonbonnieren
- Minaudieren (Puder- und Schminkdosen)
- Brieföffner
- Kompasse
- Lorgnons und Optiken
- Miniatur Reiseuhren
- Reisewecker
- Petschaften
- Zigarettenspitzen
- Zigarettenabschneider
- Zahnstocher
- Necessaires
- Hutnadeln
- Gürtelschließen
- Fingerhüte
- Vasen

Kuppenheim arbeitete ausschließlich mit Silber und Gold, Schmuckstücke wurden in der Manufaktur nur in geringer Stückzahl hergestellt. Diese raren Exemplare sind jedoch sehr schön gearbeitet und teils mit Perlmutt verziert.

Kuppenheim Preziosen die aus den Jahren vor 1884 stammen sind mir nicht bekannt. Die meisten Stücke wurden im Zeitraum zwischen 1900 und dem Ersten Weltkrieg angefertigt. Danach ging die Produktion aufgrund der schlechten Wirtschaftslage wie bei vielen Unternehmen zurück.


Von 1925 bis bis zum Börsencrash 1929 blühte der Handel wieder mit Silberwaren, Bijouterie-Waren und Luxuswaren wieder spürbar an und auch die Manufakturen profitierten von dieser Entwicklung. Fein gearbeitete Accessoires für die Dame von Welt und z.B. die Erfindung des mit einer Hand bedienbaren Taschenfeuerzeugs von Dunhill (the unique lighter) eröffneten neue Märkte. Diese Gegenstände waren keine reinen Gebrauchsgegenstände sondern vielmehr Schmuckstücke, die gerne gezeigt wurden. Silberne und emaillierte Schminkdosen, Geldbörsen aus Edelmetallen und schön gearbeiteten Feuerzeuge symbolisieren stilvolle Eleganz und das Lebensgefühl dieser Zeit. 

Aufgrund der Vielzahl der Stücke die das Unternehmen fertigte ist es erstaunlich, dass bisher so wenig über die Firmengeschichte und die Preziosen bekannt wurde. Heute können Sie auf nahezu jedem Trödelmarkt Stücke von Pforzheimer-Fabrikanten finden, die durch ihre zeitlose Eleganz bestechen und die Sie dort zu einem beinahe lächerlichen Preis erwerben können.

Stammbaum von Ludwig (Louis) Kuppenheim

1680: Juna Kuppenhiem wird als jüdischer Schutzbürger erwähnt

1824: Geburt des Großvaters Louis Kuppenheim. Er heiratet in Karlsruhe Bertha Levinger. Die beiden bekommen 10 Kinder. Der älteste Sohn des Ehepaars, Albert, war Ludwigs Vater.

1865: Geburt von Rudolf Kuppenheim, der sich als Medizinalrat, Frauenarzt und leitender Arzt der Frauenabteilung des Krankenhauses Siloah einen Namen machte. Er heiratete Lily Ehmann und bekam zwei Kinder, Hans und Felix. Um der Zwangsdeportation zu entgehen nahm sich das Ehepaar 1940 freiwillig mit Gift, das in der bereits zwei Jahre geschlossenen Praxis lagerte, das Leben. Dieses tragische Schicksal erregte in Pforzheim großes Aufsehen. Die beiden Söhne des Ehepaars wanderten nach Amerika aus und verstarben dort. 1970 wurde zum Gedenken an den großartigen Arzt ein Straßenzug am Wallberg, direkt gegenüber dem Krankenhaus in dem Rudolf Kuppenheim tätig war, in "Kuppenheimstraße" umbenannt.

1891: Geburt von Ludwig Kuppenheim, wie damals üblich in seinem Elternhaus in der Durlacher Straße 1. Die Eltern Ludwig (Louis) Kuppenheim und Berta Kuppenheim, geborene Gross aus Bruchsal, bekamen insgesamt 10 Kinder, von denen jedoch nur 6 überlebten.

Der Name Kuppenheim geht zurück auf die Stadt Kuppenheim, die westlich von Rastatt liegt.



Die Bijouterie-Stadt Pforzheim

Da Pforzheim im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde sind Informationen über die dort bis 1945 ansässigen Fabrikationen rar. Bekannt ist, dass um die Jahrhundertwende 538 Bijouterien ihren Sitz in der Schmuckstadt hatten und 880 Unternehmen direkt oder indirekt mit diesen Firmen in Verbindung standen. Der Umsatz der Betriebe wird auf 80 - 90 Millionen Mark geschätzt, was für damalige Verhältnisse eine enorme Summe war.

17.000 Männer und 7.000 Frauen waren in den Unternehmen beschäftigt. Sie verarbeiteten Silber im Wert von 20 Millionen Mark jährlich. Hinzu kamen Gold (3 bis 4 Millionen Mark) sowie echte und unechte Steine, Perlen und Korallen (3 Millionen Mark).

In Pforzheim wurde Schmuck für alle Bevölkerungsschichten angefertigt. Zwei unterschiedliche Zweige der Bijouterie-Herstellung konnten sich in diesem Zentrum der Schmuckfabrikation entwickeln: Die Double-Warenfabrikation mit günstigen Schmuckstücken sowie die Herstellung erlesener, echter Juwelen. So wurde in Pforzheim beispielsweise ein Collier für einen Juwelier aus Paris gefertigt, dessen Wert mit 25.000 Mark beziffert wurde.

Viele Manufakturen agierten als Zwischenhändler. Sie bezogen Waren von den Pforzheimer Manufakturen und veräußerten diese gewinnbringend in der ganzen Welt. Teils veredelten die Betriebe Rohlinge anderer Werkstätten und vertrieben diese unter eigenem Namen. Von Vorteil war die Infrastruktur der Stadt: Alle Unternehmen lagen dicht beisammen, sodass viele Gänge mühelos zu Fuß erledigt werden konnten.

Nicht alle Stücke aus Pforzheim tragen den damals noch üblichen Stempel, der eindeutig auf die Manufaktur schließen lässt. Häufig findet sich nur ein Stempel mit dem Silber- oder Goldgehalt der Preziosen. In vielen Fällen wurden die Stücke auch erst im Ausland mit den dort üblichen Stempeln (Importstempel) versehen. Dies erschwert es in einigen Fällen, die Manufaktur eindeutig zu identifizieren.

Tafelsilber wurde in Pforzheim nur in geringer Stückzahl gefertigt. Zentrum dieser Silberproduktionen war Schwäbisch Gmünd.

Einige Zahlen, welche die wirtschaftliche Bedeutung Pforzheims belegen:

Um 1900: 35 Hersteller von Feuerzeugen u.a. Theodor Fahrner, Fritz Bemberg, Martin Mayer. Damals waren noch Feuerzeuge ohne Feuerstein und Reibrad gebräuchlich.
1931/32: 45 Hersteller

Um 1900: 33 Hersteller von Zigarettenetuis
1931/32: 86 Hersteller

Um 1900: 60 Emailleure
1931/32: 84 Emailleure

Eine Sonderstellung nimmt die Firma Heinrich Schütz ein. Bei meinen Recherchen in alten Bijouterie-Katalogen aus Pforzheim konnte ich diese Firma in nahezu allen Verzeichnissen entdecken. Nach eigenen Angaben müssten in der Firma fast alle damals gebräuchlichen Produkte aus Gold und Silber gefertigt worden sein. Allerdings habe ich kein Stück dieser Firma jemals besessen und konnte auch im Internet keine Preziosen des Unternehmens finden. Nur ein Stempel der Manufaktur ist in einem meiner Fachbücher aufgeführt.


 


Kleiner lesenswerter Textauszug über das Schaffen der Bijouterie-Fabriken



„Die Pforzheimer Schmuck Industrie“ von Hanns von Zobelitz um 1900:



„Es gibt nicht Mannigfachere als die Betriebe der Schmuck und Luxuswaren Industrie in Pforzheim Äußerst verschiedenartig nach ihrem Umfang – von der Werkstätte mit ganz wenigen Arbeitern und Arbeiterinnen bis zum Unternehmen, das hunderte von fleißigen Händen beschäftigt – sind sie auch ganz verschieden in der Art ihrer Erzeugnisse. Der eine Betrieb, wie z.B., die große Fabrik von L. Kuppenheim, stellt hauptsächlich goldene und silberne Luxuswaren her: Zigaretten- und Zündholzetuis, allerlei Gebrauchsgegenstände für die elegante Frau, vom aus tausend Goldschuppengewirkten Täschen bis zum kostbaren Behältnis für Puderquaste und andere Toilettekleinigkeiten, vom Lorgnettehalterbis zum Handspiegel, Artikel, die zumal in Paris ihren Absatz finden, um gewiss oft genug von dort aus als französisches Fabrikat wieder zurückzuwandern. Der andere Betrieb fabriziert nur Ringe, der dritte nur Manschett- und Hemdknöpfe; die eine große Fabrik beschäftigt sich lediglich mit der Fabrikation der schmalen, zierlichen spitzenartigen Fassungen für Steine, die Chatons und Galerien genannt und von den Juwelieren fertig bezogen werden, eine andere liefert nur Trauerschmuck; der eine Betrieb widmet sich lediglich der Emaillearbeit, der zweite beschäftigt sich nur mit Vergoldung – bis schier ins unendliche scheint bisweilen die Spezialisierung getrieben…….. Nur wenige dieser Betriebe arbeiten auf Vorrat oder halten ein großes Lager. Das erlaubt die schnell wechselnde Mode nicht, die dazu zwingt, unausgesetzt immer neue Muster zu erfinden und herauszubringen. Es ist auch ein Irrtum anzunehmen, dass diese Gro0juweliere von einem Muster sofort eine große Anzahl Nachbildungen anfertigen lassen. Das kommt natürlich vor, wenn ein glücklicher Entwurf besonderen Absatz verspricht. Im Allgemeinen aber ist es gerade für die besseren und die feinsten Betriebe Regel, von jedem Stück nur wenige, oft nur ein Exemplar auf dem Markt zu bringen und immer neue Variationen zu schaffen. Es wird daher in den Ateliers tatsächlich ohne jede Unterbrechung entworfen, gezeichnet, modelliert – erfunden!“


Weiter schreibt Herr von Zobelitz über Einblicke in die Werkstätten:


„Tun wir einen Blick in die Werkstätte eines der Pforzheimer Großjuweliere. Sie nimmt einen Saal oder deren zwei oder einige Stuben ein. An den Fenstern der einen sitzen an kleinen Tischen, den Werkbrettern, die Arbeiter und Lehrlinge, etwa 5-7 an jedem, unter der Aufsicht des Kabinettmeisters. Vor jedem Arbeiter ist der Tisch ausgebaucht, ein großes Lederfell hängt herab, das die abfallenden kleinen und kleinsten Teilchen des kostbaren Edelmetalls aufzunehmen bestimmt ist. Auf dem Werkbrett liegen die so überaus verschiedenartigen Werkzeuge der Bijoutries, der Fasser, der Graveure usw.; überall brennen die kleinen Gaslötlampen. In einem zweiten Raum stehen die mechanisch betriebenen Pressen, befinden sich die Vorrichtungen für die Legierungen, die galvanischen Bäder. In einem dritten Raum fanden etwa die Ziehbänke und er Glühofen Aufstellung. In eine vierten sitzen die zahlreichen Poliererinnen, mit ihrem weißen, das ganze Haar verhüllenden Tüchern um den Kopf, vor den jetzt meist eklektisch betriebenen Maschinen, in denen die Bürsten zum polieren in ewiger Rotation sind. Die elektrische Kraft, die sich wie keine andere zum Betrieb aller Maschinen eignet, deren die Goldschmiede bedürfen, hat in Pforzheim längst siegreichen Einzug gehalten und erobert sich immer mehr Gebiet. Schon jetzt sind mindestens 1500 Elektromotoren in Verwendung. Unterhalb der Werktische liegen meist Latten. Das hat seinen guten Grund. Der Fußboden in all diesen Werkstätten wird mit der Zeit Silber- und goldhaltig, überall bleiben die feinen Abfallteile an den Schuhsohlen hängen. Auf den Latten nun streifen sie sich ab, in den Fugen sammelt sich der wertvolle Kehricht, wird in gewissen Zwischenräumen aufgenommen und – wir werden weiter noch davon hören – verkauft. In einer Ecke jedes Raumes befindet sich eine Waschvorrichtung, in der sich die Arbeiter die Hände reinigen; auch das Wasser wird – verkauft. Die Schürzen der Arbeiter, die Kopftücher der Arbeiterinnen werden von Zeit zu Zeit – verkauft. Die Handtücher, die Polierbürsten und Lappen, die unbrauchbar gewordenen Schmelztiegel, die Arbeitstische – alles wird verkauft. Denn alles und jedes ist hier goldhaltig. Es bestehen in Pforzheim besondere „Kehretsanstalten“, die dies „Gekrätz“ kaufen und aus ihm durch verbrennen, aussieben oder auf chemischen Wege das Edelmetall wieder gewinnen. Geradezu erstaunlich ist es, welche Werte dadurch gerettet werden. In einer größeren Fabrik betrug die Jahreseinnahme aus dem Kehricht 14000, au dem Waschwasser 4000 Mark! Wobei nicht zu übersehen ist, dass trotz aller Vorsicht doch höchstens zwei Drittel des Verlustes wiedergewonnen werden. Nach einer Reihe von Jahren wird auch der Fußboden ausgenommen und al „Gekrätz“ behandelt – in einem Falle wo der Boden allerdings ein Vierteljahundert gelegen hatte, wurde für 10000 Mark Gold aus ihm gezogen! Man sagt nicht mit Unrecht, dass selbst der Straßenstaub von Pforzheim goldhaltig sei.“



Folgende Bilder mit freundlicher Genehmigung von der Universitätsbibliothek Heidelberg.

Spiegel Entwurf Hans Christiansen. 1900 für die Pariser Weltausstellung. Mirror made by Kuppenheim, designed by Hans Christiansen for the worldexhebition in Paris 1900.

Spiegel Entwurf Hans Christiansen. 1900 für die Pariser Weltausstellung. Mirror made by Kuppenheim, designed by Hans Christiansen for the worldexhebition in Paris 1900.


Hans Christiansen. Hutnadeln & Zigarettenetuis. Ausführung L.K. Louis Kuppenheim. Case Silver and enamel

Hans Christiansen. Hutnadeln & Zigarettenetuis. Ausführung L.K.


Petschaften L.K. Silber. Seals made by L.K. in silver.

Petschaften L.K. Silber. Seals made by L.K. in silver.


Vasen mit Silbermontur. 1900 L.K. Vases with silver mount. 1900. L.K.

Vasen mit Silbermontur. 1900 L.K. Vases with silver mount. 1900. L.K.


Diverse Etuis /Toilettenartikel /Anhänger /Lordnon zum Teil Hans Christiansen. Ausführung L.K.


Etuis /Taschenmesser /Streichholzdosen /Drehbleistifte /Geldbörsen. 1900 Ausführung L.K.


Geldbörse Gold (585 /14ct.). Ausführung L.K. 1909





       Patente / Patents


Patent von 1911 / Patent from 1911. Louis Kuppenheim.

Patent von 1911 / Patent from 1911.


Patent von 1911 / Patent from 1911. Louis Kuppenheim. Cigarette Case. Zigarettendose.


Patent von 1911 / Patent from 1911. Louis Kuppenheim. Cigarette Case. Zigarettendose.

Patent von 1910 / Patent from 1910,